Imagefilme mit dem Smartphone drehen? Unsere Einschätzung
Seit März 2026 steckt ARRI im Smartphone: Der Münchner Hersteller der Alexa-Kinokameras bringt sein Know-how der Farbverarbeitung erstmals in ein Consumer-Handy. Da liegt die Frage nahe, die uns Auftraggeber ohnehin regelmäßig stellen: Reicht für die Produktion eines Imagefilmes nicht ein Smartphone? Die ehrliche Antwort unserer Berliner Filmproduktion: Für manches ja – aber die Entscheidung fällt nicht beim Bild, sondern beim Ton, bei schwierigen Lichtverhältnissen und bei der Verlässlichkeit der Geräte über einen langen Drehtag.
Wenn der Alexa-Hersteller aufs Smartphone kommt
Auf dem Mobile World Congress in Barcelona haben ARRI und der Smartphone-Hersteller Honor am 1. März 2026 eine technische Partnerschaft angekündigt: Kernelemente der ARRI Image Science – also der Farbwiedergabe, des Umgangs mit Lichtern und Schatten – fließen erstmals in ein Consumer-Smartphone ein. ARRI baut seit über 100 Jahren Kameratechnik für die Filmindustrie und wurde dafür mit 20 Technik-Oscars ausgezeichnet; die Alexa-Systeme sind der Standard in der High-End-Filmproduktion. Wichtig zum Verständnis: Es wird keine Kino-Hardware verkleinert. Übertragen werden Prinzipien der Bildverarbeitung – die Physik von kleinem Sensor und kleiner Optik bleibt.
ARRI-Geschäftsführer David Bermbach begründet den Schritt damit, dass Smartphones längst ein ernsthaftes Werkzeug im professionellen Filmemachen seien. Das sehen wir genauso – und genau deshalb lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, was das Gerät in Ihrer Tasche kann und was nicht.
Was ein Smartphone heute ehrlich kann
Ein aktuelles Smartphone liefert bei Tageslicht Bilder, die vor zehn Jahren nach teurer Technik ausgesehen hätten. Für schnelle vertikale Clips, Behind-the-Scenes-Momente oder einen spontanen O-Ton auf der Messe ist es ein legitimes Werkzeug – leicht, unauffällig, immer dabei. Für Social-Media-Formate, die bewusst nach Nähe und Unmittelbarkeit aussehen sollen, kann der Smartphone-Look sogar die richtige gestalterische Entscheidung sein.
Auch wir greifen am Set zum Smartphone, wenn es das richtige Werkzeug ist – etwa für Behind-the-Scenes-Material, das parallel zum Dreh entsteht und manchmal auch Eingang in den Hauptfilm findet. Die Frage ist nie, ob ein Gerät besonders cool und modern ist, sondern ob es die Aufgabe löst.
Wo der Unterschied beginnt: Ton, Licht, Objektive, Verlässlichkeit
Die unbequeme Wahrheit zuerst: Wir haben uns an vielerlei Aufnahmen und Schnitte durch Social-Media gewöhnt und kein Zuschauer bricht einen Film ab, weil das Bild wackelt, verrauscht ist oder das Interview hin und her springt – aber jeder bricht ab, wenn der Ton hallt, übersteuert oder der Straßenlärm das Interview verschluckt. Professionelle Produktion heißt deshalb zuerst: separater Ton mit Ansteckmikrofon oder Angel, gepegelt und kontrolliert. Das eingebaute Smartphone-Mikrofon ist für ein Kundeninterview keine Option – wobei es ja auch hier schon viele Funkalternativen gibt, die auch gerne genutzt werden.
Dann das Licht: Der kleine Sensor eines Smartphones stößt in Innenräumen, bei Gegenlicht oder abends schnell an physikalische Grenzen – die Software gleicht aus, was die Optik nicht hergibt, und genau dort entsteht der typische, künstlich geglättete Handy-Look. Für uns sind besonders Gegenlichtaufnahmen mit dem Smartphone immer wieder ein Ärgernis. Der sogenannte Lens-Flare Effekt sorgt dafür, dass immer ein kleiner heller Punkt durch das Bild wandert. Bei einer Profikamera mit Wechselobjektiven gibt es diese Probleme nicht. Sie erlaubt echte Tiefenschärfe statt errechnetem Unschärfe-Effekt, saubere Hauttöne und Reserven für die Farbkorrektur in der Postproduktion. Dazu kommt, was man erst in der zehnten Stunde eines Drehtags zu schätzen lernt: unterbrechnungsfreie Stromversorgung, verlässliche Aufzeichnung ohne Hitzeabschaltung, professionelle Datensicherung – und ein Bild, das den technischen Anforderungen von Fernsehsendern genügt.
Wann ein Smartphone für den Imagefilm reicht – und wann nicht
Unsere Antwort auf die Smartphone-Frage ist deshalb keine Verteidigungsrede, sondern eine Werkzeugentscheidung: Für einen Imagefilm, der Ihr Unternehmen über Jahre repräsentiert, drehen wir mit professioneller Kamera-, Licht- und Tontechnik – weil Interviews, wechselnde Drehorte und lange Drehtage genau das verlangen. Für flüchtige Formate kann das Smartphone genügen. Und noch etwas verbindet beide Welten: Ob Alexa oder Handy – entscheidend bleibt, was vor der Kamera steht. Echte Menschen, echte Orte, ein durchdachtes Konzept. Warum genau das ab August 2026 auch rechtlich an Wert gewinnt, lesen Sie in unserem Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht für Videos.
Die vollständige Pressemitteilung zur Partnerschaft finden Sie bei ARRI.



