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Filmproduktion in der Schweiz

TV Reisereportage – Die Schweiz und das Käsefondue

Was man über das Schweizer Nationalgericht in vier Minuten lernen kann

Käsefondue. Das Wort ruft sofort Bilder auf – Kerzenlicht, Schnee draußen, der lange Spieß mit Brot, das Lachen einer Runde, die sich um einen Caquelon versammelt. Und genau das ist die Schwierigkeit, wenn man so ein Gericht für ein TV-Magazin filmen will: Das Klischee hat schon einen Vorsprung. Die Aufgabe ist, hinter das Postkartenmotiv zu schauen, ohne ihm seine Wärme zu nehmen.

Für die DW-euromaxx-Reihe »Guten Appetit, Europa« reiste unser Kamerateam in den Schweizer Kanton Freiburg – eine Gegend, in der das Fondue zur Identität gehört wie der Wein zur Toskana. Die Reise begann in einer Berghütte oberhalb von Broc, führte in die erste Schaukäserei der Schweiz, dann in ein Museum, das die Erfolgsgeschichte des Greyerzers ausstellt – und endete auf einem Boot mitten auf dem Greyerzersee.

Eine Pointe, die das Klischee bricht

Während der Recherche stießen wir auf eine Beobachtung, die unseren Beitrag verändern sollte: Das älteste schriftliche Rezept für ein Käsefondue findet sich nicht in den Aufzeichnungen einer Sennhütte, sondern in einem Kochbuch aus dem Zürich des Jahres 1699 – geschrieben von Anna Margaretha Gessner-Kitt, einer Städterin, die mit Sicherheit nie eine Kuh gemolken hat. Die romantische Vorstellung von den Hirten, die das Gericht über dem Lagerfeuer erfanden, ist also wahrscheinlich eine spätere Erzählung. Wirklich populär wurde das Fondue erst durch eine geschickte Werbekampagne der 1914 gegründeten Schweizer Käseunion und durch die Schweizer Armee, die das Rezept nach dem Zweiten Weltkrieg in jeden Haushalt trug.

Genau diese Spannung – zwischen Mythos und Marketinggeschichte, zwischen Bergidylle und Stadtkochbuch – wurde zum erzählerischen Rückgrat unseres Beitrags. Sie gibt dem Zuschauer mehr als nur ein hübsches Reisevideo: Sie gibt ihm eine kleine Erkenntnis zum Mitnehmen.

Menschen, die das Fondue heute am Leben halten

Damit das Stück trotz seiner historischen Tiefe nicht akademisch wirkt, brauchten wir Menschen, die das Gericht heute mit ihrem Alltag verbinden. Wir fanden sie in Köchin Isabelle Julmy-Brodard, die ihr Fondue in der Berghütte »Au Creux du Feu« in der Hochsaison fünfzig Mal am Tag zubereitet. In Käsemeister Jacques Ecoffey, der vom »Moment der Magie« sprach, wenn die Milch im Kupferkessel zu gerinnen beginnt. In Thierry Bize, der den Geschmack eines mittelalten Greyerzers vor unserer Kamera mit einer Selbstverständlichkeit beschrieb, mit der andere über ihren Lieblingswein reden. Und in Isabelle Raboud-Schüle, die im Greyerzer Museum dafür sorgt, dass die Kulturgeschichte des Käses nicht in Vergessenheit gerät.

Vier Stimmen, vier Perspektiven, ein Gericht – und eine Reportage, die ihre Zuschauer nach vier Minuten ein bisschen klüger und gleichzeitig ein bisschen hungriger entlässt, als sie eingeschaltet haben.

Warum Auslandsdrehs eine eigene Disziplin sind

Eine Produktion wie diese — drei Drehtage, drei Schauplätze, vier Hauptprotagonist:innen, alle Interviews auf Französisch, am Ende ein deutschsprachiger Magazinbeitrag — funktioniert nur, wenn vor Reisebeginn alles steht: die Drehgenehmigungen, die Logistik der Wege, die Frageliste in beiden Sprachen, die Interviewreihenfolge so kalkuliert, dass das Wetter mitspielt und das Bergrestaurant nicht mitten im Ansturm der Mittagsgäste gefilmt werden muss.

Einen Einblick in den Ablauf unserer Drehreise finden Sie in unserem Blogbeitrag »Die Schweiz und ihr Nationalgericht: Das Käsefondue«

Genau diese Routine — schlankes Equipment-Setup, mehrsprachige Interviewführung, ein Schnittplan, der schon vor der Abreise im Kopf steht – kommt aus über zwanzig Jahren TV-Auftragsproduktion für ARD, ZDF, 3sat, arte und die Deutsche Welle. Und sie ist der Grund, warum wir auch komplexe Stoffe in einer einzigen Drehreise sauber abschließen können – ohne Nachdrehs, ohne Materiallücken, ohne Improvisation in der Postproduktion.

Wenn Sie für Ihr Magazin oder Ihre Marke einen Auslandsdreh planen – eine Reisereportage, ein Themenstück, ein Künstlerporträt, einen Kulturbeitrag – sprechen Sie uns an. Wir besprechen mit Ihnen Konzept, Drehbuch und Aufwand und liefern am Ende einen sendefertigen Beitrag aus einer Hand.

 

Kunde

Deutsche Welle TV | euromaxx

thema

Nationalgerichte

Website

Zeitraum

Januar 2016

Unsere Dienstleistung

  • Recherche, Organisation und Planung der Filmproduktion in der Schweiz
  • Dreharbeiten mit eigenem Equipment (Sony FS7, Nikon D800)
  • Regie und Interviews
  • Postproduktion und Colorgrading mit AVID Symphony am MacPro
  • Recherche und Musikauswahl
  • Fotobearbeitung und Grafikanimationen mit After Effects
  • Transcodierung für HD-Verwertung

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