Dreharbeiten mit der Mona Lisa im Louvre – ein Werkstattbericht aus Paris
Wie unser Kamerateam aus Berlin die berühmteste Frau der Welt fast allein vor die Linse bekam
Es gibt Drehtage, auf die man sich als Filmproduktion besonders freut – und dann gibt es die Dreharbeiten im Pariser Louvre. Für die zehnteilige TV-Serie »Meisterwerke Revisited«, die wir im Auftrag der Deutschen Welle für das Kulturmagazin euromaxx produziert haben, durfte unser Kamerateam Anfang April 2015 etwas tun, was Millionen Besucher nie erleben werden: dem berühmtesten Gemälde der Welt ohne Besucherandrang gegenüberstehen. Nur Kameramann Uwe Schwarze, Autorin und Regisseurin Stephanie Drescher, der Mona-Lisa-Experte Vincent Delieuvin – und La Joconde selbst.
Drehgenehmigung im Louvre: Monate der Vorbereitung für wenige Stunden Dreh
Bevor überhaupt eine Kamera ausgepackt werden konnte, lag der eigentliche Aufwand in der Vorbereitung. Eine Drehgenehmigung im Louvre erhält man nicht auf Zuruf. Unser umfangreiches Drehkonzept mussten wir auf Französisch einreichen, mit detaillierter Beschreibung jeder einzelnen Einstellung, der geplanten Bildauflösung, des Equipments und der Drehzeiten. Wir haben begründet, warum wir nicht nur die Mona Lisa, sondern auch Corots „La femme à la perle“ in der Sammlung filmen wollten – ein Werk, in dem die Inspiration durch Leonardo da Vinci sichtbar wird und das später als visuelle Klammer der Reportage dient.
Verhandelt haben wir außerdem das Wichtigste überhaupt: Drehzeit außerhalb der Öffnungszeiten. Eineinhalb Stunden früh am Morgen, bevor der erste Besucher den Salle des États betritt, dazu eine weitere Stunde während des regulären Museumsbetriebs, um auch das Phänomen der Menschenmenge vor dem kleinen Bild dokumentarisch einzufangen. Diese Mischung aus exklusivem Zugang und Realität war für die Erzählung des Films entscheidend.
Filmen vor Panzerglas: technische Herausforderungen direkt am Original
Die Mona Lisa hängt nicht einfach an der Wand. Sie ist hinter dickem Panzerglas in einer klimatisierten Vitrine gesichert – ein Symbol ihres Status, aber für ein Kamerateam zunächst einmal ein optisches Hindernis. Reflexionen, Spiegelungen, Lichtbrechungen: jedes ungeplante Streiflicht macht aus dem Detail eine unbrauchbare Aufnahme. Die Sicherheitsvorgaben des Louvre sind streng, der Abstand zum Bild ist klar definiert, große Lichtsetups sind ausgeschlossen.
Unser Kameramann Uwe Schwarze hat deshalb mit einem reduzierten, mobilen Setup gearbeitet: zwei Kamerasysteme – Sony FS7 und Nikon D800 – auf stabilem Stativ, dazu ein DEDOLIGHT mit kaltem Licht, das die historische Substanz des Gemäldes nicht gefährdet. Geplant waren Totale, Halbtotale und sehr nahe Detailaufnahmen: das Lächeln, die Handhaltung, die schwebende Felslandschaft im Hintergrund, das berühmte Sfumato. Diese Bildbefragung – das ruhige, aufmerksame Heranzoomen an einzelne Details – ist das visuelle Markenzeichen der Serie.
Das Interview mit Vincent Delieuvin – Mona-Lisa-Experte und Kurator des Louvre
Ein Gespräch im Louvre vor der echten Mona Lisa: Vincent Delieuvin, Konservator der Abteilung italienische Malerei des 16. Jahrhunderts und einer der weltweit renommiertesten Kenner Leonardos, hat sich für unser Interview viel Zeit genommen. Er erklärt nicht nur die Maltechnik des Sfumato, sondern auch, warum das eher kleine Format des Bildes (77 × 53 cm) so viele Besucher zunächst überrascht – und warum genau dieses Bild jährlich Millionen Menschen anzieht. Für eine Filmproduktion, die kunsthistorische Themen für ein internationales TV-Publikum aufbereitet, sind solche Interviewpartner Gold wert: Sie geben dem Beitrag Substanz und Glaubwürdigkeit.
Mehr als die Mona Lisa: Außenaufnahmen, Museumsshop, Archivmaterial
Eine Geschichte über eine Bildikone erzählt sich nicht allein vor dem Original. Wir haben deshalb auch außerhalb des Salle des États gedreht: Außenaufnahmen vom Louvre und der Glaspyramide, das Treiben rund um den Cour Napoléon, der Museumsshop mit seiner Flut an Reproduktionen auf Tassen, T-Shirts und Postern. Dazu kam Archivmaterial zum spektakulären Diebstahl von 1911 – jenes Ereignis, das die Mona Lisa erst zur globalen Medienikone gemacht hat. Diese Materialvielfalt zu beschaffen, rechtlich zu klären und dramaturgisch zu einem stringenten Vier-Minuten-Beitrag zu verbinden, gehört zum Kerngeschäft einer erfahrenen Filmproduktion.
Was diesen Auslandsdreh für uns besonders gemacht hat
Auslandsdrehs an hochsensiblen Orten sind das, wofür wir als Filmproduktion aus Berlin gerne den Koffer packen: Sie verlangen sauberes Projektmanagement, Sprachkompetenz, technisches Fingerspitzengefühl und Respekt vor Ort und Sache. Im Louvre kam noch etwas Seltenes hinzu – diese stille Stunde am Morgen, in der wir mit unserem schlanken Zwei-Personen-Team allein im Saal standen, das Gemälde im Auge der Kamera, ohne Lärm, ohne Selfie-Sticks, ohne Drängeln. Ein Moment, der in Erinnerung bleibt.
Der fertige Beitrag »Mona Lisa« ist Teil der zehnteiligen TV-Serie »Meisterwerke Revisited«, die wir für die Deutsche Welle | euromaxx produziert haben.



