Dreharbeiten in München: Wie entsteht ein TV-Beitrag über einen verrückten Eismacher?
Hinter den Kulissen: TV-Produktion für Deutsche Welle euromaxx
Einen Fernsehbeitrag über Matthias Münz zu drehen klingt nach einem Traumjob – und war es auch. Aber wie bei jeder TV-Produktion steckt hinter den lockeren fünf Minuten Sendezeit ein geplantes, strukturiertes und manchmal improvisiertes Filmhandwerk. Wie unser Kamerateam in München gearbeitet hat, welche kreativen Entscheidungen hinter dem Beitrag stecken und warum gute Food-Filmproduktion anders funktioniert als man denkt – das zeigen wir hier.
Die Herausforderung: euromaxx ist kein gewöhnliches Magazin
Ein Filmporträt für die Deutsche Welle unterscheidet sich grundlegend von einem Imagefilm oder einer klassischen Reportage. euromaxx ist ein Lifestyle-Magazin für ein internationales Publikum – es erwartet Protagonisten mit Haltung, Bilder mit Energie und Geschichten mit echtem Spannungsbogen. Die Herausforderung: Matthias Münz ist kein trainierter TV-Darsteller, sondern ein Unternehmer, der seinen Laden betreibt, Eis erfindet und dabei einfach er selbst ist. Das ist die Stärke – aber auch die Anforderung an das Filmteam.
Unsere Aufgabe war es, diesen Energieschub in Bilder zu übersetzen, ohne ihn zu kontrollieren. Keine gestellten Abläufe, keine Anweisung »mach jetzt so als ob«. Stattdessen: Beobachten, vorbereiten, und wenn der Moment kommt – reagieren. Aber sind wir ehrlich – das gelingt natürlich nicht immer.
Vorbereitung – was vor dem Dreh passiert
Jede TV-Produktion beginnt mit Recherche. Bevor unser Team nach München fuhr, hatten wir das Exposé entwickelt, die Szenenstruktur festgelegt, Drehorte abgeklärt und die Interviewfragen vorbereitet. Was wir nicht wussten: Welche neue Eissorte Matthias diesmal entwickeln würde. Das entschied er kurzfristig – Macarons sollten es sein. Eine neue Zutat, neue Bilder, neue Story-Ebene. Genau das macht Food-Filmproduktion interessant.
Für die Dreharbeiten in München nutzten wir die Sony FS7 als Hauptkamera und die Nikon D800 für close-up-starke Detailaufnahmen – Zutaten, die in den Mixer wandern, Eis, das aus der Maschine kommt, die Konsistenz von frisch gedrehtem Gelato. Diese Kombination erlaubt uns, sowohl in dynamischen Interviewsituationen als auch in kontrollierten Eisherstellungsszenen flexibel zu arbeiten.
Am Set – Improvisation trifft Planung
Matthias Münz ist ein geborener Entertainer. Er liebt die Kamera, ohne von ihr abgelenkt zu werden – ein seltenes Talent. Das vereinfachte die Interviewsituationen erheblich, weil wir weniger Zeit darauf verwenden mussten, ihn in eine natürliche Stimmung zu bringen. Stattdessen konnten wir uns auf die richtigen Fragen konzentrieren: Wie entsteht eine neue Eisidee? Was ist das Schwierigste an der Herstellung von Weißwurst-Senfeis? Warum fährt ein Eismacher Hochrad?
Die Szene auf dem Viktualienmarkt war eine der technisch anspruchsvollsten: viele Passanten, wechselndes Licht, Münz hinter dem Tresen in ständiger Bewegung. Hier war das Kamerateam gefragt, schnell zu denken und die richtigen Einstellungen zu wählen – immer nah genug für Emotionen, immer weit genug für Kontext.
Postproduktion – vom Rohschnitt zum Sendebeitrag
Die Postproduktion für Deutsche-Welle-Beiträge unterliegt klaren technischen Anforderungen: HD-Ausspielung, definiertes Farbprofil, präzise Schnittlängen. Am AVID Symphony Schnittplatz in Berlin haben wir den Rohschnitt in einen dramaturgisch sauberen Beitrag mit Spannungsbogen überführt – von der ersten Bild-Ton-Schere bis zum Colorgrading. Besondere Aufmerksamkeit bekam dabei die Detailwelt des Eises: schmelzende Kugeln, cremige Texturen und die Farbpalette der Zutaten verlangen ein sorgfältiges, warmes Grading.
Die Texte für den Offsprecher schrieb Stephanie Drescher selbst – wie bei allen TV-Produktionen von Basiliscus Film. Wer Regie führt, schreibt auch den Text: Nur so entsteht die Einheit zwischen Bild und Wort, die einen guten Fernsehbeitrag von einem funktionalen unterscheidet.
5 Tipps für TV-Produktionen mit Food-Protagonisten
- Protagonisten vor dem Dreh kennenlernen – auch nur per Telefon. Wer weiß, wie jemand spricht und denkt, führt bessere Interviews.
- Kein starres Skript für Food-Szenen. Echte Abläufe (Zutaten mischen, kosten, reagieren) sind immer filmischer als gestellte.
- Zwei Kameras bei Interviewsituationen einplanen – ermöglicht dynamischeren Schnitt ohne zweiten Take.
- Detailaufnahmen nie improvisieren: Close-ups von Eis, Zutaten und Händen brauchen eigene Beleuchtung und Zeit.
- Postproduktion beginnt am Set: Wer Tonprobleme vor Ort löst, spart Stunden im Schnitt.
Das fertige Filmporträt und alle Informationen zum Protagonisten finden Sie in unserer Referenz: »TV-Filmporträt: Der verrückte Eismacher« – Referenz ansehen