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REFERENZ – PRO GENERIKA · PUBLIC AFFAIRS

»Nachgefragt«: Sechs Social-Media-Statements zu Lieferengpässen bei Arzneimitteln für den Verband Pro Generika

»Nachgefragt«: Sechs Social-Media-Statements zu Lieferengpässen bei Arzneimitteln für den Verband Pro Generika

15. November 2019
Autor: Stephanie Drescher

Eine Packung Ibuprofen kostet weniger als ein Kaugummi an der Tankstelle

Diesen Vergleich zog Dr. Thilo Fuchs, der für den Konzern Sandoz/Hexal weltweit Wirkstoffe einkauft, vor unserer Kamera. Und er erklärt mehr über die Ursachen von Lieferengpässen bei Arzneimitteln als jede Statistik. Genau solche zugespitzten, alltagstauglichen Bilder waren der Schlüssel zur Filmkampagne, die wir 2019 für den Verband Pro Generika e. V. konzipierten und produzierten: sechs Filmstatements und ein Langfilm für die Social-Media-Kanäle des Verbandes — alle gebaut um eine simple, effektive Idee namens »Nachgefragt«.

Der Auftrag: Public Affairs sichtbar machen

Lieferengpässe bei Medikamenten — das ist ein Thema, das bisher fast ausschließlich in Fachkreisen diskutiert wird. Dabei betrifft es uns alle: Wer schon einmal mit Schmerzen vor einem leeren Apothekenregal stand, weiß das. Pro Generika wollte das Thema aus den Fachpublikationen heraus in die öffentliche Debatte holen — und brauchte dafür ein Format, das auf Social Media funktioniert: kurz, klar, mit Gesicht und ohne Fachjargon.

Unsere Aufgabe war damit umrissen: Wie macht man ein komplexes regulatorisches Thema in 60 Sekunden verständlich, ohne es zu trivialisieren? Und vor allem: Wie produziert man eine Serie aus sechs Interview-Clips, die visuell trotzdem nicht langweilig wird?

Das Format »Nachgefragt«: Frage, Gesicht, Antwort

Unsere Lösung war ein klar strukturiertes Serienformat, das jeder Folge die gleiche Dramaturgie gibt:

  1. Ein 4–6 Sekunden langer Opener mit Schwarz-Weiß-Bild und Farbebene — visuell deutlich abgesetzt vom späteren Statement
  2. Ein Statusbalken, der sich verbreitert und zum Hintergrund für das Wort »Nachgefragt:« wird
  3. Die Leitfrage erscheint animiert: Warum ist die Vorratslagerung für Unternehmen so schwierig? Warum sind Wirkstoffe knapp? Warum lösen Strafen das Problem nicht?
  4. Der Name und die Funktion der Expertin oder des Experten erscheinen
  5. Ein grafischer Trenner leitet zur eigentlichen Antwort über
  6. Statement der Person — direkt in die Kamera, ohne Schnitt, ohne Voice-over

Diese sechs Bausteine wiederholen sich in jeder Folge. Das schafft Wiedererkennbarkeit als Serie — und gibt der Redaktion gleichzeitig ein flexibles Modul, das sie auch für künftige Folgen wiederverwenden kann.

Die sechs Themen und ihre Expertinnen und Experten

Die inhaltliche Stärke der Kampagne lag darin, dass jede Folge ein anderes Puzzleteil des großen Themas erklärt — und dabei eine echte Person mit echter Fachkenntnis vor die Kamera holt.

Folge 1 — Vorratslagerung: Martin Schwarz, Geschäftsführer der Firma Puren Pharma, erklärt am Beispiel des Wirkstoffs Bezafibrat, warum auch ein Vorrat für drei Jahre nach sechs Wochen aufgebraucht sein kann — wenn der Marktführer ausfällt und ein 5-Prozent-Anbieter plötzlich 80 Prozent des Markts versorgen muss. Das Unternehmen lagert im Schnitt über 9.000 Paletten Medikamente.

Folge 2 — Rabattverträge im Exklusivmodell: Christine Kreutzer von Teva ratiopharm zeigt, warum Krankenkassen-Verträge mit nur einem einzigen Hersteller die Versorgung gefährden: Bei einem Lieferproblem braucht ein anderer Hersteller rund ein halbes Jahr, um seine Produktion hochzufahren.

Folge 3 — Wirkstoffmangel: Dr. Thilo Fuchs, Wirkstoffeinkäufer bei Sandoz/Hexal, erklärt mit dem oben genannten Kaugummi-Vergleich den enormen Kostendruck — und zeigt, warum auf dem Weltmarkt für manche Moleküle nur noch wenige qualifizierte Hersteller existieren.

Folge 4 — Strafen, die das Problem nicht lösen: Ingrid Blumenthal vom Generikaanbieter Aliud Pharma — der jährlich 80 Millionen Packungen ausliefert — argumentiert, warum noch höhere Vertragsstrafen das Engpass-Problem nicht beheben, sondern Hersteller eher aus dem Markt drängen.

Folge 5 — Unterfinanzierung der Grundversorgung: Christoph Stoller, Präsident des europäischen Verbandes »Medicines for Europe«, ordnet das Thema international ein: Aufstrebende Märkte wie Indonesien zahlen höhere Preise für Wirkstoffe — und Europa bekommt sie zunehmend nicht mehr ans Ziel.

Folge 6 — Produktion in Europa: Kosima Niepenberg, die für Aristo Pharma die Produktion am Standort Hilden (NRW) leitet, erläutert, warum ihr Unternehmen trotz Kostendruck weiter in Deutschland fertigt — und was das für die Liefersicherheit bedeutet.

Die filmische Herausforderung: Sechs Talking Heads, kein Tunnel

Sechs Interviews mit sechs Personen, jeweils direkt in die Kamera — das ist visuell die schwierigste aller Filmaufgaben. Niemand schaut auf Social Media gern fünfmal hintereinander einer sprechenden Person zu, selbst wenn die Inhalte stark sind. Drei Hebel haben wir genutzt, um den Talking-Head-Effekt zu brechen:

Erstens — der animierte Opener. Die Schwarz-Weiß-Bilder mit Farbebene heben sich klar vom späteren Statement ab. Das gibt jedem Clip einen filmischen Auftakt statt eines Hineinstolperns ins Interview.

Zweitens — akustische Animation. Frage und Name der Person werden mit dezenten Soundeffekten unterstützt. Auch eine Sekunde Klang verändert die Aufmerksamkeitskurve eines Zuschauers messbar.

Drittens — eine konsistente Bildsprache im Studio. Alle sechs Aufnahmen folgen demselben Lichtsetup, derselben Farbpalette und demselben Bildausschnitt. Das macht aus sechs Einzelinterviews eine erkennbare Serie — und gibt der Kommunikationsabteilung des Verbandes ein wiederverwendbares Modul für künftige Folgen.

Der Langfilm: Aus sechs Clips wird ein Erklärfilm

Aus den sechs Einzelstatements haben wir zusätzlich eine Langfilmversion montiert, die alle Stimmen in eine zusammenhängende Erzählung führt. Dafür produzierte Basiliscus Film animierte Start- und Trennertafeln, die als visuelle Kapitelmarker funktionieren und die einzelnen Themenblöcke voneinander absetzen.

Diese Langfassung ist der Beleg dafür, was strategischer Content-Aufbau leisten kann: Aus einem einzigen Drehkonzept entstanden sieben fertige Filme — sechs für Social Media plus ein Erklärfilm für die Verbandswebseite, Pressetermine und Stakeholder-Kommunikation. Das ist genau das Prinzip, mit dem wir auch in anderen crossmedialen Videoprojekten arbeiten: ein Drehkonzept, mehrere Auswertungswege.

Was Verbandskommunikation aus diesem Projekt lernen kann

Pro Generika gehört zu den Verbänden, die früh erkannt haben, dass Social-Media-Video kein Add-on ist, sondern Teil der Kernkommunikation — gerade bei politischen und regulatorischen Themen. Drei Erkenntnisse aus dieser Produktion, die sich auf andere Verbands- und Stiftungsprojekte übertragen lassen:

Authentische Stimmen schlagen Voice-over. Wenn eine Geschäftsführerin selbst erklärt, warum ihr Unternehmen 80 Millionen Packungen pro Jahr unter Vertragsstrafen produziert, ist das wirkungsvoller als jede animierte Infografik.

Format-Disziplin macht Serien skalierbar. Die »Nachgefragt«-Mechanik kann Pro Generika theoretisch beliebig oft wiederverwenden — neue Frage, neue Person, gleiches Setup. Eine Filmproduktion sollte immer mitdenken, was nach dem ersten Dreh kommt.

Komplexität wird über konkrete Beispiele zugänglich. Bezafibrat, Ibuprofen, ein Päckchen Kaugummi: Drei Worte aus dem Alltag bringen das Thema näher als jede Statistik. Wir helfen Auftraggebern bei der Vorrecherche, genau solche bildhaften Beispiele zu finden.

Sie planen eine Filmkampagne für Verband, Stiftung oder NGO?

Public-Affairs-Kommunikation, Verbandsfilm, politische Kampagne, Erklärfilm zu regulatorischen Themen: Wir entwickeln seit über 20 Jahren Filmkonzepte für Auftraggeber, die komplexe gesellschaftliche Themen für ein breiteres Publikum aufbereiten wollen — diskret, präzise und mit dem richtigen Tempo für Social Media.

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